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Donnerstag, 24. Januar 2013

Überall alles nur Rassismus oder schwarze Babies sind viel süsser als Weisse.

Natürlich habe ich Pippi gelesen. Als ein Kind der '70er war ich quasi zwangsverpflichtet, mir feministische Kinderliteratur zu Gemüte zu führen. Auch die rote Zora haben meine (weißen) alternativ-bürgerlichen Eltern mir gegeben. Jim Knopf hatte ich nicht und auch nichts von Preussler, das wäre nicht aufrührerisch und alternativ genug gewesen. Aber ich kannte Jim. Die Augsburger Puppenkiste 'n stuff. Ich hasste ihn. Wegen des N*Wortes. Ich hasste es, wenn am Sonntag die unsäglichen TarzanFilme liefen. Und andere in Afrika spielende Filme, alle aus der Perspektive der weissen Herrscher, mit kleinen, augenrollenden Schwarzen, die gleichförmig ängstlich reagierten, wenn der weisse Forscher ins unentdeckte Gebiet aufbrechen wollte. Ich wusste, was am nächsten Tag in der Schule los sein würde. Sie würden mich mit diesen dummen kleinen Menschen gleichsetzen. Wegen meiner Hautfarbe und weil sie gelernt hatten, das diese eine Kategorie ist. Das es eine Kategorie: Hautfarbe gibt. Keine für Brillenträger, Segelohrenträger, Zahnspangenträger, Stotterer, was auch immer. Da war kein:"Hah Hah, gestern war eine wie Du im Fernsehen, eine XY, alle XY's sind gleich, Du bist wie die im Fernsehen." XY war keine Kategorie.
Wenn ich mich beklagte, daß "die anderen Kinder mich N* genannt haben" dann sagten meine Eltern gutmütig: "Die sind nur neidisch. Die ganzen Weissen gehen doch ins Sonnenstudio, um braun zu werden, die sind alle neidisch auf deine braune Haut." Ich spürte, daß etwas daran nicht stimmt, aber meine Eltern spürten da nichts. 
Die Erwachsenen der 70er waren in ihren Köpfen gefangen, in ihrer Ablehnung des HitlerReiches, in ihrem Versuch, alles besser zu machen als die eigene Eltergeneration. 
So konnten mich die Kindergärtnerinnen nicht in Schutz nehmen, wenn ich weinte, weil beim Spiel 'Wer hat Angst vorm schwarzen Mann' alle vor mir fortliefen, wenn ich es hasste, das die "10 kleinen N*lein" gesungen wurden, wenn ich aufgefordert wurde, zu zeigen, ob ich am ganzen Körper so aussähe wie Kakao. 
Die Erwachsenen mussten diese Vorfälle relativieren, bagatellisieren, weil sie sonst hätten eingestehen müssen, daß wir in einer rassistischen Gesellschaft leben. Das ich in meiner Würde bedroht werde. Sie hätten mit all den Eltern und Lehrern reden müssen, über eine Form der Ausgrenzung, für die sie Weder Verständnis noch überhaupt  Worte hatten.
Wenn ich geschubst, ausgelacht und gehänselt wurde, waren meine Lehrer_innen überzeugt, ich hätte es selbst herausgefordert. "Was hast Du denn vorher gemacht?" fragten sie, weil es ihnen unvorstellbar war, daß es tatsächlich einfach Rassismus war, der mich ausgrenzte. 
Geschult durch die Frauenbewegung war meinen Eltern institutionelle Ausgrenzung durchaus geläufig, so wiesen mich darauf hin, das ich mich überdurchschnittlich anstrengen müsse, wenn ich positiv wahrgenommen werden wolle, aber die alltägliche Diffamierung blieb ihnen unsichtbar. 
Meine Eltern sind keine schlechten Menschen, ganz im Gegenteil, sie sind wundervolle, engagierte, sensible Menschen. Leider waren sie damals Farbenblind. "Du bist genau wie alle anderen", sagten sie mir. Das stimmt nicht. Ich bin anders
Alle sind anders.
"Da stehst Du doch drüber" sagten sie. Aber das Wort schmäht, es verletzt, es definiert mich in eine Gruppe. Es sagt:'Du gehörst nicht dazu.', Du bist nicht eine von vielen, Du bist anders. 
Nochmal: Alle sind anders.
Meine Hautfarbe ist mein Stigma. Sie definiert mich. Sie ist das Merkmal, das wahrgenommen wird, ich kann sie nicht verstecken. Ich werde über sie beschrieben, wiedererkannt. Und sie ist mit Vorurteilen behaftet. Sowohl mit bewussten als auch mit unbewussten. 
Das macht nichts. 
Wichtig, für den Fall, das es richtig erscheint und den eigenen Werten entspricht, ist nur, sich diesen Vorurteilen zu stellen, sie zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren.  In jedem Einzelfall.
Anderenfalls bin ich gern bereit Borniertheit, Dünkel, Ignoranz und rassistische Sprache zu diagnostizieren.
Wenn Worte belanglos wären,dann könnte sich ja keine_r derer, die jetzt von Sprachpolizei rumeumeln darüber aufregen, daß sie dafür Rassist_innen genannt werden.
Nicht nur einmal bin ich steif vor Angst weitergegangen, wenn es mir nachgerufen wurde. Ich habe es unzählige Male gehört und mich ohnmächtig gefühlt. Es triggert mich. Auch, wenn es 'im Spaß' gesagt wird. Als N*puppe. Als N*Kuss. Als N*Eis. 
Es erinnert mich daran, daß es ein leichtes ist, mich auszugrenzen, mir meine Würde abzusprechen, mir das Recht abzusprechen, der Unverletzbarkeit meines Körpers sicher zu sein.
Und wie komme ich nun dazu, aus meiner persönlichen Betroffenheit heraus, eine politische Forderung zu stellen?
Die feministische Arbeit hat vor 40 Jahren bereits aus einer Position der Betroffenheit daraufhingewiesen, daß das Private politisch ist. Mit der Forderung auf den Verzicht auf diffamierende Sprache vertrete ich nicht nur meine Empfindlichkeit, sondern ich verlange den Verzicht darauf, mich rassisch zu gruppieren, mich fremdzudefinieren, mich exclusiv zu behandeln. Ich verlange, daß ich als Person wahrgenommen werde. Ich bestehe darauf, als Mensch erlebt zu werden. Huch.


Mittwoch, 11. Januar 2012

BonBonLaden der Beliebigkeiten

Was haben wir alle beim Leben des Brian gelacht, als die Meute im Chor johlte: "Ja, wir sind alle Individuen". Und was haben wir heute, da wir alle mitjohlen, für einen Erfolgsdruck. Angefangen bei der originellen Auswahl der Musik, über die angesagten Speisen zur besonders unspiessigen Einrichtung. Und angesagt bedeutet hier so dermassen angesagt, das es derzeit noch nicht angesagt ist. "Wenn es Mainstream ist, dann gefällt es mir nicht mehr" hab ich Euch sagen hören, und: "Ach, der ist in den Top-100 jetzt, dann mag ich ihn nicht mehr."
Affenvolk, bedenkt was Ihr tut.
Nur weil alle Nazis Idioten sind, sind nicht alle Idioten Nazis. Nur weil plötzlich BioFood, Kritik an Dieter Bohlen oder fairTrade Mode sind, ist es nicht weniger gut, edel und integer sich Gutem zuzuwenden und Böses zu verschmähen. Wie könnt Ihr gestern eine Idee lieben und sie heute missachten, weil sie sich im Strassenbild verbreitet.
Und cui bono? Natürlich, Ihr wisst es längst, es nützt den Verkäufern der Dinge, wenn Ihr rennt und Taschen schleppt. Es nützt denen, die euch auf Trab halten, indem sie euch vorgaukeln, es seie heute schick, einen Burger in den Grenzen von 1955 zu essen. (Und Ihr seht die glückliche Kuh auf der Wiese wiederkäuen. Denn Morgens um 7  1955, da war die Welt noch in Ordnung.)
Geht denken Kinder, denkt laufend. Was verliert Ihr, wenn Ihr ausseht, wie die Nachbarin? Wenn Ihr die gleiche Uhr, das gleiche paar Schuhe, die gleiche Jacke tragt wie der Kollege. Im 2ten Jahr.
Und was gewinnt Ihr, wenn Ihr frei seid, vom Zwang, Euch über Kleidung, Musik, Schmuck, TechStuff zu definieren?
Eure Individualität jedenfalls nicht. Vorausgesetzt, sie haben Eure Persönlichkeit noch nicht vollständig ergriffen und in lustig glitzernde BonBonPapierchen gewickelt.
Eure wahren Wünsche werden sie Euch sowieso niemals verkaufen können. Nicht einmal mit Pron's der allerersten...Aua,Aua.
Das lustige ist nämlich, durch das aufspringen auf den 'Ich bin ganz anders als die anderen'-Zug macht Ihr Euch selbstverschuldet zum EinheitsBrei. Hip Hip Hurray.
Ach. Wisst Ihr doch eh. Ihr seid doch nicht unmündig. Ihr Kennt das alles.

Sonntag, 13. November 2011

Heute Du

Die Frage ist: Ist die Sehnsucht groß genug, 
um sich auf Kompromisse einzulassen 
oder: Stimmt die Lebenslüge der Freiheitssucher, und tatsächlich ist "Jeder Kompromiss ein weiterer Beschiss".
In der Auseinandersetzung mit dem Gegenüber, 
in der Projektion ist immer die Selbsterfahrung möglich.
Ohne Abgrenzung keine Hinwendung, 
ohne Zuneigung keine Erfahrung.
Während der Beschäftigung mit den eigenen Idealen ist 
eine idealisierende Vorstellung des Selbst einfach.
Es ist aber ja nicht das Objekt, das die Begierde auslöst, 
da es ein Objekt ist, ist es weder zu- noch abgeneigt, 
es verhält sich Objektgemäß neutral. 
Erst unsere Projektion belegt es mit Eigenschaften, 
erst unsere Wünsche geben ihm Bedeutung. 
Vielleicht ist die Frage also: 
aus welcher Tiefe wird der Wunsch nach Einigung geboren, 
ist es die Aneignung, die hier ersehnt wird und 
erwuchs der Wille aus dem Mangel an alternativer Vorstellung, 
oder ist hier tatsächlich ein Übermaß, das einen Kanal sucht?
Schlussendlich bleibt die Frage: 
Von wo kommen wir, zu begehren was sich bietet.


"Wär nicht das Auge sonnenhaft, Die Sonne könnt es nie erblicken" gab uns J.W.G.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

99%


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I am the 99%.

I don’t have a camera phone, so I cannot provide a picture, and even if I could, I am ashamed of my situation and I wish to retain just a semblance of what’s left of my pride. 

I am 56 years old, unemployed, broke, and I’m very worried about losing my home because I can’t afford next month’s rent.

I had to liquidate my 401k, my IRA’s, my savings, most of my furniture, including a grand piano and a harpsichord, and I have almost nothing left to sell.

I am a graduate of Stanford University, in economics, law, and finance.  I have done post-graduate work at Princeton, and have attended summer programs at Oxford.

My first job involved high level financial analysis and management for a Fortune 500 firm.  I then worked as a CFO for a much smaller closely held real estate investment firm, which allowed me to also work in a similar capacity for a number of nonprofit organizations, particularly with regard to gay and lesbian civil rights. 

I have been unable to find steady work since 2006, relying only on casual contract work, doing everything from bookkeeping and accounting to strategic planning services, and I’ve been doing so for a PITTANCE compared to what I used to earn, though up until recently I’ve been able to support myself, despite incurring a massive back tax debt.

I have submitted resumes and proposals to THOUSANDS of potential employers and clients, nearly ALL to no avail. 

Because I am self-employed and could not afford to pay for unemployment insurance, I do not qualify for unemployment benefits, though prior to my self-employment, I paid into this fund for DECADES…

I am also handicapped, with rheumatoid arthritis, and have EXTREME difficulty walking.  I have no medical insurance and I have been denied Medic-Aid / Medi-Cal benefits. 

I have rented out my guestroom to people I do not know, who have been less than respectful to my property, causing me to sustain THOUSANDS of dollars in damages which the deposits of my tenants do not cover, and because they are poor themselves, such damages would be very difficult to recover.

I have applied and received foodstamps, and I am about to go to a food bank to supplement these insufficient benefits.  I have applied for public funding to pay for my utilities.  I may have to apply for General Assistance welfare just to have a few dollars to pay for items that are not covered by foodstamps, such as soap. 

If I cannot find a job soon, or if I cannot find another renter of my guestroom soon, or if I cannot find some other way to earn some money, I face the prospect of losing my home where I have lived for the past fifteen years…

For me, the OCCUPY movement is my only hope, which is why I wish I could participate, though I cannot walk very well, and I cannot afford gas to get to a demonstration. 

But I am VERY grateful that this movement is addressing the issues facing Americans, Californians and Sacramentans – most profoundly grateful indeed…

Freitag, 29. Juli 2011

Auch 
die menschenverachtenden Scheusale der Eliten 
die wir hier 
und anderswo 
bekämpfen müssen, 
haben ihren Wert. 
Man kann sie nicht daran messen, 
wie sie mit ihren Mitmenschen umgehen,  
denn es gibt genügend Beispiele, 
die sich dagegen setzten lassen 
  • (der Banker der umdenkt, 
  • der ImmoHai, der plötzlich in Not gerät, 
  • ein schnoddriger PunkPenner, der noch nie eine Chance hatte, 
  • der Typ mit HirnTumor...)
Der Wert eines Jeden 
ist unteilbar auf seine Existenz bezogen, 
und sobald wir ihm den Wert absprechen, 
berauben wir ihn 
und uns 
der uns angehörenden Würde, 
die uns nötigt 
im Gegenüber 
immer 
das Selbst zu suchen, 
ungeachtet der Maske, 
die wir identifizieren.