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Donnerstag, 7. Februar 2013

Deine Ahnen

Wenn wir aufhören, uns über unsere Vorfahren zu definieren und uns in einer Identität verorten, die uns im aktuellen Gefüge einordnet, uns also frei in einen selbstgewählten Bezugsrahmen stellt, dann brauchen wir nicht mehr mit dem Finger auf Jene weisen, die sich Traditionen bemächtigen, die nicht ihren Ahnen entsprechen. Wir können dann frei zugreifen auf alles, was die Vergangenheit uns bietet und müssen keine Angst haben, uns in der unübersichtlichen Fülle der Angebote zu verirren. Niemand muss getrennt sein von den Erfahrungen des Nachbarn. Wir könnten teilen.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Überall alles nur Rassismus oder schwarze Babies sind viel süsser als Weisse.

Natürlich habe ich Pippi gelesen. Als ein Kind der '70er war ich quasi zwangsverpflichtet, mir feministische Kinderliteratur zu Gemüte zu führen. Auch die rote Zora haben meine (weißen) alternativ-bürgerlichen Eltern mir gegeben. Jim Knopf hatte ich nicht und auch nichts von Preussler, das wäre nicht aufrührerisch und alternativ genug gewesen. Aber ich kannte Jim. Die Augsburger Puppenkiste 'n stuff. Ich hasste ihn. Wegen des N*Wortes. Ich hasste es, wenn am Sonntag die unsäglichen TarzanFilme liefen. Und andere in Afrika spielende Filme, alle aus der Perspektive der weissen Herrscher, mit kleinen, augenrollenden Schwarzen, die gleichförmig ängstlich reagierten, wenn der weisse Forscher ins unentdeckte Gebiet aufbrechen wollte. Ich wusste, was am nächsten Tag in der Schule los sein würde. Sie würden mich mit diesen dummen kleinen Menschen gleichsetzen. Wegen meiner Hautfarbe und weil sie gelernt hatten, das diese eine Kategorie ist. Das es eine Kategorie: Hautfarbe gibt. Keine für Brillenträger, Segelohrenträger, Zahnspangenträger, Stotterer, was auch immer. Da war kein:"Hah Hah, gestern war eine wie Du im Fernsehen, eine XY, alle XY's sind gleich, Du bist wie die im Fernsehen." XY war keine Kategorie.
Wenn ich mich beklagte, daß "die anderen Kinder mich N* genannt haben" dann sagten meine Eltern gutmütig: "Die sind nur neidisch. Die ganzen Weissen gehen doch ins Sonnenstudio, um braun zu werden, die sind alle neidisch auf deine braune Haut." Ich spürte, daß etwas daran nicht stimmt, aber meine Eltern spürten da nichts. 
Die Erwachsenen der 70er waren in ihren Köpfen gefangen, in ihrer Ablehnung des HitlerReiches, in ihrem Versuch, alles besser zu machen als die eigene Eltergeneration. 
So konnten mich die Kindergärtnerinnen nicht in Schutz nehmen, wenn ich weinte, weil beim Spiel 'Wer hat Angst vorm schwarzen Mann' alle vor mir fortliefen, wenn ich es hasste, das die "10 kleinen N*lein" gesungen wurden, wenn ich aufgefordert wurde, zu zeigen, ob ich am ganzen Körper so aussähe wie Kakao. 
Die Erwachsenen mussten diese Vorfälle relativieren, bagatellisieren, weil sie sonst hätten eingestehen müssen, daß wir in einer rassistischen Gesellschaft leben. Das ich in meiner Würde bedroht werde. Sie hätten mit all den Eltern und Lehrern reden müssen, über eine Form der Ausgrenzung, für die sie Weder Verständnis noch überhaupt  Worte hatten.
Wenn ich geschubst, ausgelacht und gehänselt wurde, waren meine Lehrer_innen überzeugt, ich hätte es selbst herausgefordert. "Was hast Du denn vorher gemacht?" fragten sie, weil es ihnen unvorstellbar war, daß es tatsächlich einfach Rassismus war, der mich ausgrenzte. 
Geschult durch die Frauenbewegung war meinen Eltern institutionelle Ausgrenzung durchaus geläufig, so wiesen mich darauf hin, das ich mich überdurchschnittlich anstrengen müsse, wenn ich positiv wahrgenommen werden wolle, aber die alltägliche Diffamierung blieb ihnen unsichtbar. 
Meine Eltern sind keine schlechten Menschen, ganz im Gegenteil, sie sind wundervolle, engagierte, sensible Menschen. Leider waren sie damals Farbenblind. "Du bist genau wie alle anderen", sagten sie mir. Das stimmt nicht. Ich bin anders
Alle sind anders.
"Da stehst Du doch drüber" sagten sie. Aber das Wort schmäht, es verletzt, es definiert mich in eine Gruppe. Es sagt:'Du gehörst nicht dazu.', Du bist nicht eine von vielen, Du bist anders. 
Nochmal: Alle sind anders.
Meine Hautfarbe ist mein Stigma. Sie definiert mich. Sie ist das Merkmal, das wahrgenommen wird, ich kann sie nicht verstecken. Ich werde über sie beschrieben, wiedererkannt. Und sie ist mit Vorurteilen behaftet. Sowohl mit bewussten als auch mit unbewussten. 
Das macht nichts. 
Wichtig, für den Fall, das es richtig erscheint und den eigenen Werten entspricht, ist nur, sich diesen Vorurteilen zu stellen, sie zu überprüfen und gegebenenfalls zu revidieren.  In jedem Einzelfall.
Anderenfalls bin ich gern bereit Borniertheit, Dünkel, Ignoranz und rassistische Sprache zu diagnostizieren.
Wenn Worte belanglos wären,dann könnte sich ja keine_r derer, die jetzt von Sprachpolizei rumeumeln darüber aufregen, daß sie dafür Rassist_innen genannt werden.
Nicht nur einmal bin ich steif vor Angst weitergegangen, wenn es mir nachgerufen wurde. Ich habe es unzählige Male gehört und mich ohnmächtig gefühlt. Es triggert mich. Auch, wenn es 'im Spaß' gesagt wird. Als N*puppe. Als N*Kuss. Als N*Eis. 
Es erinnert mich daran, daß es ein leichtes ist, mich auszugrenzen, mir meine Würde abzusprechen, mir das Recht abzusprechen, der Unverletzbarkeit meines Körpers sicher zu sein.
Und wie komme ich nun dazu, aus meiner persönlichen Betroffenheit heraus, eine politische Forderung zu stellen?
Die feministische Arbeit hat vor 40 Jahren bereits aus einer Position der Betroffenheit daraufhingewiesen, daß das Private politisch ist. Mit der Forderung auf den Verzicht auf diffamierende Sprache vertrete ich nicht nur meine Empfindlichkeit, sondern ich verlange den Verzicht darauf, mich rassisch zu gruppieren, mich fremdzudefinieren, mich exclusiv zu behandeln. Ich verlange, daß ich als Person wahrgenommen werde. Ich bestehe darauf, als Mensch erlebt zu werden. Huch.


Dienstag, 24. Juli 2012

ein klein wenig unabsichtlicher Rassismus




Rassismus ist ein Herrschaftskonstrukt, dass der dominanten Gruppe unter Zuhilfenahme tatsächlicher biologische Merkmale zur eigenen Vorteilsnahme dient. Schon die Sammlung, die Erfassung der Merkmale ist nicht unparteiisch, sondern erfolgt unter der Bedingung eigener normativer Wertung, die, zum Ausgangspunkt genommen, als Standard gesetzt wird. Auf dieser Grundlage werden die erfassten Merkmale mit zugeschriebenen Eigenschaften verknüpft, die ein subjektives Urteil objektiv darstellen sollen. Mithilfe der zugeschriebenen und als unveränderbar deklarierten Eigenschaften wird vom Machthabenden der Zugang zu materiellen und immateriellen Ressourcen kritisch begleitet, mit Auflagen belegt oder ganz verweigert. Dieses  Kontrollinstrument wird verwandt, um es privilegierten Menschen zu ermöglichen, aus einer Position die Ihnen grösstmögliche Spielräume lässt, eigene Ansprüche auf Privilegien durchzusetzen. Es dient also der Legitimierung von direkter und indirekter (struktureller, institutioneller) Unterdrückung. 
Um Kategorien der Zugehörigkeit zu erzeugen ist es unabdingbar, Sprache als Instrument der Erfassung standardisiert erfasster menschlicher Merkmale zu Nutzen. Den Regeln der Gruppenbildung folgend geschieht die Grenzziehung unter Anwendung von Abgrenzung von dem als 'anders' gewähnten Gegenüber. Der 'Clan', der 'Stamm', das sind immer die 'Anderen, das sind 'Jene', die Exoten, die sich selbst womöglich nicht einmal als zusammengehörig wahrnehmen. Sie sind es aus der Sicht, der es ihnen zuschreibenden, der über sie damit bestimmenden, aus der Sicht der Bestimmer. (Hier liegt übrigens der Schlüssel zum Verständnis, weshalb Gruppen sich dagegen verwehren, benannt zu werden und sich davon abgrenzend selbst bezeichnen.) Durch diese konstruierten Begriffe werden Realitäten geschaffen. Dem Begriff folgend wird in der Welt der Vorstellungen der/des Leser_in eine Kategorie erschaffen.
Das Instrument zur Ausübung der Dominanz ist notwendigerweise Sprache, in der sich überall die wertende Normierung finden lässt.
(Weiterführend empfehle ich die Lektüre: Susan Arndt & Nadja Ofuatey-Alazard (Hg.)Wie Rassismus aus Wörtern spricht; (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache; Ein kritisches Nachschlagewerk)
In der globalisierten Welt ist Rassismus den Herrschenden das Mittel der Wahl um weiter ungestört Menschen ausbeuten zu können, die schon in kolonialen Zeiten als die Schwächeren im Darwinistischen Sinne projiziert wurden. Mit menschenverachtender 'Entwicklungshilfe' oder Neusprech 'Entwicklungszusammenarbeit' werden Volkswirtschaften als Armenhäuser der Welt gesetzt. Bildung nach westlichem Standard wird als Maß bestimmt und dabei wird geflissentlich die seit Jahrhunderten andauernde rohe Knute unerwähnt gelassen. 
Der ausgebeutete Mensch unterliegt offenbar leicht den ' Divide et impera'-Ränken der Machthaber, nicht von der Hand zu weisen ist ja ein Profit für den Einzelnen, der ihn zumindest überleben lässt. Und wer sich selbst als austauschbar erfährt, der fürchtet im 'Anderen' den Konkurrenten aus dem anderen Lager, den nicht der eigenen Gruppe Zugehörigen. Wo die Politik von Wirtschaftsflüchtlingen spricht, da leistet sie dem Rassismus vorschub. Wo sie Asylbewerber_innen aufgrund von Verfolgung wegen "Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, politischer Überzeugung oder vergleichbaren persönliche Eigenschaften oder Verhaltensweisen" einen Aufenthaltsstatus zubilligen, ihn aber verneinen wenn Menschen aus ausbeuterischen Verhältnissen fliehen, da offenbart sich die hässliche Fratze des am eigenen Wohlstand unbedingt Interessierten. Das Kapital hat in den Ländern der Migrant_innen eine wüste Ödnis verursacht. Die Migrant_innen sind Opfer dieser ungerechten kapitalistischen Unordnung. Sie sind doppelt Opfer, weil sie zusätzlich verantwortlich gemacht werden für das Sichtum des Landes, dem sie abstammen. Der Rassismus geht hier noch einen Schritt weiter und überträgt die zugeschriebenen Merkmale auch Alljenen, die er als in ähnlicher Weise abweichend von der eigenen normierten Standardtypisierung erfährt.
Ausweg daraus kann letztlich nur der Aufbau eines humanen Solidarsystems bieten.

Samstag, 14. Juli 2012

War

Sinnead O'Connor sagte uns einst mit so klaren Worten dass Krieg herrscht. Und das stimmt ja, dass Wissen wir. Und wir kennen die Feinde. Die Wut, die wir in uns tragen sollten wir nicht aneinander verschwenden. Denn das liesse uns die wahren Verbrecher schonen und Ihrem Willen folgen.
Und das wär doch echt mal dumm.

Until the philosophy,
Which holds one race superior
And another inferior,
Is finally and permanently
Discredited and abandoned,
Everywhere is war.

Until there is no longer first class
Or second class citizens of any nation.
Until the color of a man's skin,
Is of no more significance then
The color of his eyes,
I've got to say "war".

That until the basic human rights,
Are equally guaranteed to all,
Without regard to race,
I say "war"

Until that day the dream of lasting peace,
World-citizenship and the rule of
International morality will remain
Just a fleeting illusion to be pursued,
But never obtained.
And everywhere is war.

Until the ignoble and unhappy regime
Which holds all of us through,
Child-abuse, yeah, child-abuse yeah,
Sub-human bondage has been toppled,
Utterly destroyed,
Everywhere is war.

War in the east,
War in the west,
War up north,
War down south,
There is war,
And the rumors of war.

Until that day,
There is no continent,
Which will know peace.

Children, children.

Fight!

We find it necessary.
We know we will win.
We have confidence in the victory
Of good over evil  




Dienstag, 26. Juni 2012

Anweisungen, um sich nicht wie ein Dummkopf Aufzuführen, nachdem Du des Rassismus bezichtigt wurdest.

Ich fand diesen Text und möchte ihn Euch hier gern zur Verfügung stellen:
  1.   Atme. Bleibe ruhig und höflich. Brenne keine Brücken nieder. Wenn jemand zu Dir gesagt hat "ich denke, das klingt ein bisschen rassistisch", verwechsele es nicht mit: "Du bist rassistischer Abschaum wie der Klu Klux Klan " (das ist ein Fehler, den eine erstaunliche Anzahl von weißen Menschen machen). Die Antwort, die Dir in den ersten zehn oder zwanzig Sekunden einfällt,  wird wahrscheinlich Deiner Verteidigungshaltung entspringen, nicht Deinem Gehirn, also wahrscheinlich ist es nicht gut, zu sagen, was Dir als erstes einfällt. 
  2.  Nimm die Kritik ernst -  weise sie nicht zurück, ohne darüber nachzudenken. Vor allem, wenn die Kritik von einer PoC kommt - schwarze Menschen in unserer Gesellschaft neigen zwangsläufig dazu, sich stärker über Rassismus bewusst zu sein, als die meisten Weißen, und sie greifen Dinge auf, die die meisten Weißen übersehen. (Auf der anderen Seite, bringe nicht PoC in die Position Dein Anwalt oder Richter zu sein.)
  3.   Nimm es nicht persönlich. Generell ist es einfach an Dir, Dich zu entschuldigen, für das, was du gesagt hast und die Welt sich weiter drehen zu lassen. Besonders, wenn Du in einem Meeting oder etwas ähnlichem bist. widerstehe Deinem Verlangen, in das Treffen ein Seminar einzuschalten, Wie sehr Ihr gegen Rassismus Seid. Das Thema des Gesprächs ist wahrscheinlich nicht "Unsere vielen engen schwarzen Freunde und Unsere aufrichtige langjährige und tiefe Abscheu des Rassismus." Betrachte es als ob Dich jemand darauf aufmerksam macht, dass Du Deine Nase putzen solltest, weil dir ein großer Klumpen Rotz heraushängt. Was zu tun ist, ist: "Oh, entschuldigen Sie mich" sagen, die Nase wischen, und weitermachen. Darauf zu bestehen, dass alle  Dir auf den Rücken klopfen und Dir versichern, dass sie merken, dass Dir nicht immer Rotz aus der Nase hängt, bevor das Gespräch weitergehen kann, ist nicht produktiv.
  4.   Lasse Gelegentliche unfaire Anschuldigungen an Dir abprallen. Manchmal, auch nachdem Du ernsthaft Überlegt hast, wirst du zu dem Schluss kommen, dass eine Kritik ungerecht war. Nun gut! Jetzt wende Dich anderem zu. Versuche nicht zu erreichen, daß jeder mit Dir einverstanden ist. Bitte keine schwarzen Menschen im Raum, Dich als Offiziell nicht-rassistisch zertifizieren. Bitte auch keine weissen Menschen darum. Dreh Dich nicht wieder und wieder darum, Wochen oder Monate, nachdem alle anderen die ursprüngliche Diskussion vergessen haben. Mit anderen Worten, siehe Punkt 3.
(erneut editiert)

Farbenblind

Ich ärgere mich sehr darüber, dass ich so vielen Menschen begegne, die mir erklären, sie machten keinen Unterschied zwischen Schwarzen und Weissen, ja, sie sähen noch nicht einmal einen. Es sind bemühte Menschen, Menschen, die einen antirassistischen Anspruch an sich selbst haben, und mich, oder besser - meine Daseinsform damit übergehen wollen. Ich fand dazu einen schönen Text bei den 'Angry Black Woman', der vielleicht auch denen einleuchten kann, die mein Problem noch nicht verstanden.
 Wenn mir ein weisser Mensch sagt, er/sie sähe keine Hautfarbe, dann hört sich das für mich etwa so an:
"Ich weigere mich zu sehen wie in unserer Kultur und Gesellschaft farbige Menschen behandelt werden, weil es meiner Vorstellung von mir selbst zuwider läuft, mich als jemanden zu erfahren, welcher selbst an strukturellem Rassismus beteiligt ist. Ich will nicht verstehen, dass und in welcher Weise die Hautfarbe oder ethnische Zugehörigkeit den Umgang mit anderen Menschen beeinflusst, weil das bedeuten würde, ich müsste andere Sichtweisen bedenken und meine eigenen vor diesem Hintergrund überprüfen. Ich bevorzuge es, zu glauben, ich wäre in einem Fantasy-Land, wo niemand achtet auf Hautfarbe, Ethnie, Kultur oder Religion. Ich bin ein Teil des Problems der Beziehungen zwischen den Rassen."

Donnerstag, 24. Mai 2012

Weil das Wort verletzt

Unser gestriges Gespräch über den Umgang mit Sprache am Beispiel des N*-Wortes hat mich sehr gekränkt. Ich hatte den Eindruck, das meine Erfahrungen relativiert und banalisiert werden. Das ich von meinen persönlichen Erlebnissen berichtet habe, um Dich vom Konkreten aufs Allgemeine schließen zu lassen, hatte zur Folge, daß Du Dich darauf zurückziehen wolltest, selbst ebenfalls diskriminierende Erfahrungen gemacht zu haben. Ich bedaure zutiefst, das Du erniedrigenden Situationen ausgesetzt warst, aber diese Vorgehensweise stellt für mich eine weitere Kränkung dar, weil sie die fortlaufende Herabwürdigung durch Sprache und die damit verknüpften Assoziationen verharmlost.
Ich befürchte, daß ich Deine Sprache in der Vergangenheit oft falsch verstanden habe. Was ich als ironische Distanzierung wahrnahm war womöglich der Versuch, Worte nach eigenem Gutdünken zu belegen. ( Sprache und Rassismus )
Diese Vermeidungsstrategie trägt aber nicht, denn die Benutzung von Worten geschieht immer in ihrem eigenen ( geschichtlichen ) Kontext, wäre es anders, so könnte man auch argumentieren, jemanden ein Arschloch zu nennen seie nicht beleidigend gemeint, das wäre ja bloß ein Körperteil. Die Entscheidung, welche Bezeichnung beleidigt, kann immer nur durch die Betroffenen geschehen, und damit ist nicht gemeint, daß das N*-Wort OK ist, wenn Du irgendjemanden kennst, der es duldet. Es ist eben nicht meine Überempfindlichkeit, die mich hier aufbegehren lässt.Ich verwehre mich gegen einen bagatellisierenden Umgang mit diffamierenden Worten. Nicht nur, weil sie mir einen Platz zuweisen, der mich als eine Abweichung von der Norm beschreibt, sondern auch, weil der leichtfertige Umgang damit die Unterstützt, die es eben doch so meinen, wie ich es Dir nicht unterstelle. Eine politisch korrekte Sprache anzustreben ist der Respekt, den wir jenen entgegenbringen können, die strukturelle Gewalt permanent auch eben durch Worte erleben. Dieses nicht als ein Problem erkannt zu haben, werfe ich Dir nicht vor. Aufgrund Deiner - von mir gemutmaßten - Sozialisation war es für Dich nicht notwendig, Dich damit auseinanderzusetzen. Und als weissPrivilegierter ist es womöglich nicht naheliegend, Dich mit Deiner Hautfarbe zu beschäftigen, oder mit der anderer. siehe hier: Nachhilfe im Weisssein
Ich fühle mich kategorisiert, wo ich noch gestern dachte, ich seie geachtet.
Ich verspüre das Bedürfnis, Deine Einsicht zu befördern, ich suche nach Worten, Dir verständlich zu machen, wie tief verletzend der Gebrauch von diffamierenden Worten ist, ich suche Vergleiche, die Dir einleuchten könnten. Dann wieder bin ich geneigt den ganzen Vofall zu bagatellisieren, mein zuvor empfundenes Verbundenheitsgefühl zu Dir ins lächerliche zu ziehen: "Das ist nur irgendein Spack aus dem Netz."
Das ist echt sehr, sehr besonders schade.
 Du kannst Rassismus widerstehen!

Mittwoch, 4. April 2012

Ich kann das allein - oder: Chancen

Alles was ich heute bin und was ich heute habe, habe ich mir selbst erarbeitet. 
Und das könntest du auch, wenn Du es nur wirklich wolltest. 
Das war ja alles keine Zauberei sondern harte Arbeit. 
Jeder kann das schaffen. 
Und wer das leugnet ist nur ein fauler Querulant. 
Man muss nur an sich Glauben, dann kann man die größten Träume verwirklichen. 
Natürlich gibt es unterschiedliche Startbedingungen, aber in diesem Land kann jeder nach seiner Fasson glücklich werden. 
Es gibt hier ausreichend Förderung für Jeden, der wirklich bedürftig ist. 
Arbeit ist kein Zuckerschlecken und jeder hat mal ne schlechte Zeit, aber - die harten Zeiten formen den Charakter und erst daraus erwachsen große Persönlichkeiten. 
Mit schlechten Erfahrungen muss man halt umgehen lernen, dann lässt sich daraus lernen, wie man es beim nächsten mal besser machen kann. 
Nur nicht zuviel Ballast mit sich herumtragen. Dinge, die man nicht mehr braucht immer bald aussortieren, 
Beziehungen, die mehr belasten als unterstützen halt abbrechen. 
Das kann Jeder. 
Jeder.
(Nur schade, für die, die einmal zu oft straucheln und auf der Strecke bleiben.)
Deutschland: Armut im Musterland - ein Arte-Video

Dienstag, 13. Dezember 2011

Du kannst sicher gut singen und tanzen

Die charmantesten Vorurteile sind mir die unerträglichsten. 
Und charmant sind sie ja auch nur auf den ersten Blick, eigentlich eine bodenlose Frechheit, sich mit einer Erwartungshaltung auseinandersetzen zu müssen, die allein auf Merkmalen beruht, die ich nicht beeinflussen kann. Natürlich kann ich nicht deshalb singen, weil ich schwarz bin, sondern weil ich talentiert bin. Weil ich geübt habe. Weil es mir Freude macht. Nun aber, nachdem ich den jugendlichen Überschwang verloren und der Last der Vorurteile erlegen bin, habe ich es seit Jahren nicht öffentlich getan. Auch öffentlich zu tanzen habe ich mir abgewöhnt. Die Freiheit zu sein ist abhanden gekommen, mit jedem Schritt der Bewusstwerdung im Zuge von unausgegorenen Unterstellungen wie: "Ist ja klar dass Du musisch bist, so als Schwarze." 
Ich war immer vieles. 
Schon als kleines Mädchen geprägt durch die Tatsache "anders" zu sein als die anderen Kinder früh im Kopf unterwegs und auf der Suche nach Normalität und Zugehörigkeit, gab und gibt es eben auch die andere Seite, die Lebensfreude, die Ausgelassenheit, die für mich konkret ja, eben immer mit singen und tanzen Ausdruck findet. Und die öffentlich ambivalent wurde, seit ich bemerkte, dass ich darauf durch meine Hautfarbe bedingt werde. 
Die "Lookism" Diskussion, von der ich nur selten am Rande etwas mitbekomme, stößt da eine erduldete Schmach neu wieder an. Ich hatte mich längst daran gewöhnt, Vorurteilen äußerlich mit einem Lächeln zu begegnen, sie kalt auszuhebeln und die entwürdigende Notwendigkeit mich Ihnen zu stellen, als unwichtig vor mir selbst verborgen. 
Es gibt Kleidungstabou's in meinem Leben. Ich würde sicher nicht in afrikanischer Kleidung das Haus verlassen. Das geht soweit, dass ich kaum je mehr als 2 Farben gleichzeitig anziehe, und eine davon ist meistens schwarz. Ich kleide mich nicht feminin. Ich trage immer Hosen. Und ich habe längst vergessen, ob ich das tue, weil es mir gefällt, oder weil ich nicht auf ein wie auch immer geartetes StereoTyp als Afrikanerin reduziert werden will. 

Donnerstag, 20. Oktober 2011

99%


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I am the 99%.

I don’t have a camera phone, so I cannot provide a picture, and even if I could, I am ashamed of my situation and I wish to retain just a semblance of what’s left of my pride. 

I am 56 years old, unemployed, broke, and I’m very worried about losing my home because I can’t afford next month’s rent.

I had to liquidate my 401k, my IRA’s, my savings, most of my furniture, including a grand piano and a harpsichord, and I have almost nothing left to sell.

I am a graduate of Stanford University, in economics, law, and finance.  I have done post-graduate work at Princeton, and have attended summer programs at Oxford.

My first job involved high level financial analysis and management for a Fortune 500 firm.  I then worked as a CFO for a much smaller closely held real estate investment firm, which allowed me to also work in a similar capacity for a number of nonprofit organizations, particularly with regard to gay and lesbian civil rights. 

I have been unable to find steady work since 2006, relying only on casual contract work, doing everything from bookkeeping and accounting to strategic planning services, and I’ve been doing so for a PITTANCE compared to what I used to earn, though up until recently I’ve been able to support myself, despite incurring a massive back tax debt.

I have submitted resumes and proposals to THOUSANDS of potential employers and clients, nearly ALL to no avail. 

Because I am self-employed and could not afford to pay for unemployment insurance, I do not qualify for unemployment benefits, though prior to my self-employment, I paid into this fund for DECADES…

I am also handicapped, with rheumatoid arthritis, and have EXTREME difficulty walking.  I have no medical insurance and I have been denied Medic-Aid / Medi-Cal benefits. 

I have rented out my guestroom to people I do not know, who have been less than respectful to my property, causing me to sustain THOUSANDS of dollars in damages which the deposits of my tenants do not cover, and because they are poor themselves, such damages would be very difficult to recover.

I have applied and received foodstamps, and I am about to go to a food bank to supplement these insufficient benefits.  I have applied for public funding to pay for my utilities.  I may have to apply for General Assistance welfare just to have a few dollars to pay for items that are not covered by foodstamps, such as soap. 

If I cannot find a job soon, or if I cannot find another renter of my guestroom soon, or if I cannot find some other way to earn some money, I face the prospect of losing my home where I have lived for the past fifteen years…

For me, the OCCUPY movement is my only hope, which is why I wish I could participate, though I cannot walk very well, and I cannot afford gas to get to a demonstration. 

But I am VERY grateful that this movement is addressing the issues facing Americans, Californians and Sacramentans – most profoundly grateful indeed…

Samstag, 23. Juli 2011

Kinder, die wegen der Ausbeutung der sogen. 3tten Welt sterben, 
sind nicht nut Tote 
sondern auch ein Politikum, dem wir uns zu stellen haben, 
aber für jeden der A.W. sein Herz geschenkt hat 
ist ihr Tod zur Zeit eben anrührender.
Vergleichen hieße beiden Unrecht tun.
Warum aufrechnen? 
Solange Menschen in der Lage sind etwas zu fühlen, sind sie nicht verloren. Wenn wir aber sagen: dieses ist schlimm,aber jenes ist schlimmer werden wir zynisch.
1000e Menschen die verhungern sind dringend. Weil wir, die Weltgemeinschaft, die imaginäre, vielleicht einige retten können.

Eine tote Sängerin ist schlimm, aber nicht dringend.

Es drängt aber, ein Umgehen miteinander zu finden, das nicht aus Häme besteht, nur weil jemand öffentlich scheitert.

Samstag, 30. April 2011

Kulturkritik - Recht oder Billig?

Kulturkritik höre ich oft aus den Mündern und Federn von Linken.
Sich über einzelne Aspekte der Kultur zu empören ist einfach, auch für den unterstützungswürdigen Geist, und das die meisten Themen gegen die sich Linke -in Abgrenzung zu Rechten- positionieren kulturelle sind, verführt im Alltag leicht zu polemischem Gemäkel an kulturellen Gepflogenheiten. Von der Geldwirtschaft über Wachstumswirtschaft hin zu Medienkritik, Sitten, Gesellschaft, Religion, Administration, Regierung, Polizei wird alles angeprangert, was irgendwie dem eigenen Lebensentwurf zu wiedersprechen scheint.
Ob das Ideal dieses Lebensentwurfes überhaupt trägt ist damit in die Verantwortung derer gelegt, die den Rahmen für das eigene Sein gestalten. Ein kluger Mann hat uns einst die Erkenntniss der Lebensumstände in dem Satz: "Das Sein prägt das Bewusstsein" zusammengefasst, und daran will ich hier nicht rütteln, ich will die Frage der Kultur viel allgemeiner stellen. wikipedia-Kultur zeigt mal eben auf, welcher Begriff hier gemeint ist.
Die Vorstellung ohne Kultur ganz natürlich leben zu können ist in seiner pauschalen Idiotie der Aufruf wieder in das Stadium der prähistorischen Lebensweise zurückzukehren, weder die Bearbeitung des Ackers noch die Anerkennung des Lebensrechtes der Angehörigen eines fremden Clans wäre dann einzufordern. Keine Kunst, keine bearbeitete Speise wären mehr Bestandteil des Zusammenlebens, nun gut, den meisten die sich aufschwingen geht es wohl nicht um den totalen Bruch, sondern eher um eine menschenwürdigere Auswahl.
Exotische Kunst und Speisen zu hipen und sich die eigenen Lebensräume so weltbürgerlich zu gestalten, das die europäisch-unterdrückende Tradition fern gewähnt werden kann ist oft Ausdruck falsch ausgeübter Kritik an der eigenen Herkunft.
Was aber ist es  anderes als moderne Kolonialisierung sich die Erzeugnisse fremder Kulturen anzueignen, ohne zu fragen welche Bedeutung damit verknüpft ist? Die Bevölkerungeines Landes in dem Diktatur/Bürgerkrieg herrscht dadurch zu unterstützen dass man Andenken beim Handwerker im Dorf kauft und die Rechte an einem Bild von seinen besonders malerisch wirkenden minderjährigen Kindern gleich miterwirbt ist heikel genug, dieselben Waren beim Strassenhändler mit einem künstlich pittoresken Stand in der nähe des Flughafens sind jedoch himmelschreiende Ignoranz. Dem Fass den Boden aus schlägt die Tatsache dass die Produkte nicht selten längst nicht mehr im angeblichen Ursprungsland gefertigt werden, sondern in Fabriken in Fern-Ost.
Ich schweife ab. Sorry.
Kulturkritik ist immer gefällig, schwieriger jedoch: sich mit den eigenen Anteilen an derselben auseinanderzusetzen. Oft mag dahinter ein nicht allzu ausgeprägtes Kohärenzgefühl stehen, im seltensten Fall ein Gegenentwurf. Die bourgoise, ignorante Lebensweise abzulehnen darf nicht dazu führen, selbst ignorant fremde Kulturen zu Lieferanten paradiesischer Ideale zu verklären, sonst ist der Anspruch auf Kritik verwirkt. Rousseau ist hier keine Hilfe. Überhaupt war die Romantik hier  eher Kontraproduktiv: Wenn wir die vegetativen Prozesse -auf die wir angewiesen sind- übersteigen wollen, dann brauchen wir Kultur.
Es lässt sich natürlich trefflich streiten darüber welche... :)

Donnerstag, 31. März 2011

Persönlich

Manche von Euch wissen ja schon dass ich 2 wundervolle Minderjährige bei mir beherbergen darf, weil das Universum irgendwann wohlmeinend entschieden hat ich seie nun ausreichend gereift und hinreichend gestärkt um zu erziehen. Nicht das ich das so befunden hätte. Dennoch bin ich -da nun einmal in diese Situation hineingestellt- bereit ihr verantwortlich zu begegnen. Um zu verhindern, dass diese phantastischen, unverdorbenen und zarten Seelen der Flut des Schreckens dieser Welt ausgesetzt sind, bevor sie dem etwas entgegenzusetzen haben habe ich entschieden das es unnötig ist, sie mit Müll vollzustopfen. Natürlich kenne ich die offenbar unerlässlichen Anwürfe meiner Umgebung, von:"ES GIBT GARKEIN BIO, DAS IST ALLES QUATSCH UND PANIKMACHE" über "ALLES WAS WACHST IST BIO, DENK DOCH MAL NACH, DU..." bis hin zu "DU HÄLST DICH WOHL FÜR WAS BESSERES". das aber bleibt in der Familie und daher nicht so wichtig wie das Geschrei sich dünkt, entscheidender ist; das Aufgrund der Tatsache das ich -nicht auch sondern eher insbesondere- die geistige Hege der 2 Besten verfolge nun die Repressionsmaschine der ARGE  zuschnappt.. (Natürlich muss ich aufstocken. Wer kann denn heute mit einem Gehalt 3 Personen versorgen. Der kann mir ja mal was abgeben.)Ich habe also die 2 Besten auf einer Schule angemeldet, auf welcher sie in ihrer Entwicklung gefördert werden, indem sie da abgeholt werden, wo sie in ihrer Entwicklung sind. Egal aber aus welchem Grund ich die Schule auswähle, hat keine staatliche Institution das Recht, mir dabei in die Quere zu kommen. (Überhaupt müsste ich eigentlich ein Gehalt dafür bekommen, das ich die 2 Besten eben nicht der allgemeinen Verrohung Anheim fallen lasse,  sie täglich aktiv vor kosumgerichteten Medien schütze und das Reifen ihrer Seelen und Hirne kndgerecht stimuliere anstatt sie mit Werbung und verrohendem, sexualisierendem und zu Gewalt inspirierendem "Spielzeug" abzustumpfen.) Nun also die ARGE: ...da sie offenbar über Rücklagen in nicht unbeträchtlicher Höhe verfügen, was sich daraus erschliessen lässt, dass sie in der Lage sind für beide Kinder Schulgeld zu bezahlen..., ...fordern wir sie auf, uns Auskunft über ihre uns bislang verschwiegenen Einkünfte und/oder über Sparvermögen oder andere Geldwerte Mittel zu geben. Andernfalls sehen wir uns gezwungen ihnen die gewährten Bezüge zu streichen und die bisher zu Unrecht geleisteten Bezüge zurückzufordern.

Freitag, 10. Dezember 2010

romantische Liebe- gibt es das?

Unsere, die westlich-landläufige Vorstellung von Liebe, was sie ausmacht und wie sie sich zu erkennen gibt ist eine sehr romantische Anschauung.
Die Liebe soll unser Selbst erkennen und dabei unsere Selbsteinschätzung bestätigen, sie soll an uns glauben, auch wenn wir scheitern, sogar wenn wir nicht mehr an uns glauben, die Liebe soll es weiterhin. Sie soll die Erlösung bieten aus dem tristen Dasein, uns des Zweifels an uns selbst und an der Welt entheben, wir erhoffen die Förderung des Guten in uns, des Wahren und des Schönen. Die Wirklichkeit soll sie uns Schönen,was auf uns wirkt wollen wir mit ihrer Hilfe in etwas Besseres wandeln.
Dieses Ideal mag verführerisch sein, es verkörpert durchaus eine Idee, die für viele westlich geprägte Menschen erstrebenswert erscheint,es ist dies die Denkweise des
kultivierten separierten Individuums,erzeugt durch den Impuls des Wunsches nach Nähe, nach sozialer Teilhabe.
Wir beanspruchen von der Liebe unbedingt zu sein und notwendig zu sein. Sie soll befreien und behüten, uns heilen und stärken.


In diesem Sinne ist sie Kultur: 
empfangen aus der Persischen Idee des Dualismus, 
gewandelt durch den griechischen Geist der reinen Idee, 
verklärt von der christlichen Vorstellung der Hingabe, 
der selbstlosen Überantwortung an etwas Anderes, 
geboren aus dem reflexiven Gefühl ungenügend zu sein 
und aus der Hoffnung sich erheben zu können aus den Niederungen des Allgemeinen.


Erfüllt sie diesen Anspruch nicht, so wird sie verworfen, gilt als nicht existent, ungeachtet der Tatsache, daß kaum je in der Realität diese Anforderung erfüllt wurde, vielleicht utopisch ist.
Das Erstreben der totalen, der unbestimmten Liebe, die nicht hadert, stetig ist, unbestimmt und unbeirrt, uneingeschränkt und allumfassend ist, ist dem Fortfall des Clans geschuldet. Der äußere Rahmen ist in der Kulturgesellschaft verloren, doch die innere Struktur ist mensch-immanent weiterhin ausgerichtet auf die Einbindung in ein Netz von zwischenmenschlicher Partnerschaft, die uns ursprünglich getragen hat, uns Mensch werden ließ. Initiiert durch Mangelgefühle, aus der Position der Einsamkeit, aus welcher wir uns aufraffen zu einem Ruf nach Rettung vor der Verlorenheit funktionalisieren wir das wesentliche Bedürfnis nach dem Anderen in eine Form, die uns Einbindung garantieren soll, ohne uns zu unüberlegter Menschlichkeit zu nötigen.
Wenn die Regeln und Rituale verletzt wurden, wenn wir die Begrenztheit erkennen,schon wenn wir den Zweifel spüren, den des anderen oder den eigenen glauben wir uns berechtigt, den Pakt zu kündigen, mahnend Betrug zu verkünden.
In dieser Zweckgebundenheit jedoch, die der Liebe eine Aufgabe zuteilt, entblößen wir ihre Unzulänglichkeit. Sie kann der Rolle aus eben dem Grund nicht gerecht werden, weil sie die Relative ist, die nicht Methodische, die Verhältnismäßige,die rein den eigenen Umständen Gehorchende.
Einer Funktion folgen kann nur der Verstand. Die Logik kann vernünftig sein. Sie kann rationell vorgehen, effizient den größten Nutzen erzielen.
Die Liebe aber wankt, kaum ward sie, taucht sie fort, wird sie negiert und fortgeschoben, drängt sie sich in den Vordergrund, wird sie gebraucht, so versteckt sie sich, wird sie benannt, so schwindet sie. 
Wir glauben so gern wir könnten sie fassen und behalten wenn wir sie nur pflegen, doch ist sie das Blatt im Wind, sie gehorcht dem eigenen Prinzip der Wünsche und des Überdrüssig -werdens dessen, was sie nicht Neu inspiriert, was sie nicht staunen lässt. Die Liebe ist nicht treu, sie ist nicht loyal, sie ist nicht die Freundschaft, und auch der Glaube an ihre messianischen Eigenschaften enthebt uns nicht der Realität ihres unsteten Selbst. 
ICH HABE NIE AUFGEHÖRT. Doch kann das nichts bedeuten.