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Mittwoch, 4. Juli 2012

Liebe? Welche Liebe?

Es ist durchaus nicht so, dass wir niemanden lieben könnten, 
solange wir uns nicht selbst lieben. 
Liebe ist unterschiedlich für jeden von uns, 
und vielschichtig, 
bezüglich des Objektes, dass wir lieben. 

Wir begehren, 
wir fühlen uns hingezogen zu etwas, 
wir wollen behüten und stützen, 
wir erschauern vor Wonne, 
wir kreisen in Gedanken um das mit Sehnsucht bedachte, 
wir fühlen uns ergänzt, 
ohne eigenes zutun Ganz gemacht
wir fiebern dem Zusammensein entgegen, 
wir erträumen uns Gemeinschaft.

Wir sehen Liebe als exclusives Projekt,
oder als übergreifende Bereitschaft, uns vielen anzuvertrauen.
Wir glauben, Liebe seie Allumfassend. 
Wir glauben auch, Liebe seie endlich.
Wir erfahren Liebe begrenzt 
in Zeit,
auf einen ausgewählten Kreis, 
abhängig von Nähe 
oder Frei von äusseren Determinanten.

"Dann ist es keine Liebe" behaupten wir
oder: "Das ist wahre Liebe"

Und wir mischen, 
je nach Gutdünken, 
wie es uns passt.

Zu all dem brauchen wir keine Eigenliebe.

Wir brauchen Eigenliebe jedoch, 
um selbst Liebe zu empfangen

Mittwoch, 5. Januar 2011

LUST



Lustvolle Leben sind nicht un-bedingt liederliche Leben.
Falsche Bescheidenheit ist Tod im Leben.
Diese Bescheidenheit spielt sich auf zum Tyrann  
über die immanenten Bedürfnisse des Lebens, 
sie will das Leben steril und märtyrerhaft stilllegen, 
bis nichts mehr passieren kann.
Mit der Lust lebt man über seine Verhältnisse.
Mit der Lust schlägt man der Begrenztheit 
des sonstigen Lebens ein Schnippchen, 
erhebt sich über die Erfüllung der vegetativen Bedürfnisse.
Die Lust ist Radikal. 
Sie ist Riskant, 
sie birgt den Schmerz, 
den Verlust, 
den Selbstverlust gar.
Der Mensch sucht den Lustgewinn instinktiv, 
in der Wirklichkeit aber 
gibt es erheblich mehr Unlust erzeugende  Eindrücke, 
als die Begegnung mit dem Ekstase erzeugenden Ereignis. 
Im alltäglichen Leben verbringt der Mensch sehr viel mehr Zeit damit, 
Unlust zu vermeiden, als sich der Lust zuzuwenden. 
Somit verzichten die meisten Menschen auf Lustgewinn 
wenn ihnen die Zivilisation als Ersatz 
weniger Leiden verschafft.