Posts mit dem Label Clan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Clan werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 11. Januar 2012

BonBonLaden der Beliebigkeiten

Was haben wir alle beim Leben des Brian gelacht, als die Meute im Chor johlte: "Ja, wir sind alle Individuen". Und was haben wir heute, da wir alle mitjohlen, für einen Erfolgsdruck. Angefangen bei der originellen Auswahl der Musik, über die angesagten Speisen zur besonders unspiessigen Einrichtung. Und angesagt bedeutet hier so dermassen angesagt, das es derzeit noch nicht angesagt ist. "Wenn es Mainstream ist, dann gefällt es mir nicht mehr" hab ich Euch sagen hören, und: "Ach, der ist in den Top-100 jetzt, dann mag ich ihn nicht mehr."
Affenvolk, bedenkt was Ihr tut.
Nur weil alle Nazis Idioten sind, sind nicht alle Idioten Nazis. Nur weil plötzlich BioFood, Kritik an Dieter Bohlen oder fairTrade Mode sind, ist es nicht weniger gut, edel und integer sich Gutem zuzuwenden und Böses zu verschmähen. Wie könnt Ihr gestern eine Idee lieben und sie heute missachten, weil sie sich im Strassenbild verbreitet.
Und cui bono? Natürlich, Ihr wisst es längst, es nützt den Verkäufern der Dinge, wenn Ihr rennt und Taschen schleppt. Es nützt denen, die euch auf Trab halten, indem sie euch vorgaukeln, es seie heute schick, einen Burger in den Grenzen von 1955 zu essen. (Und Ihr seht die glückliche Kuh auf der Wiese wiederkäuen. Denn Morgens um 7  1955, da war die Welt noch in Ordnung.)
Geht denken Kinder, denkt laufend. Was verliert Ihr, wenn Ihr ausseht, wie die Nachbarin? Wenn Ihr die gleiche Uhr, das gleiche paar Schuhe, die gleiche Jacke tragt wie der Kollege. Im 2ten Jahr.
Und was gewinnt Ihr, wenn Ihr frei seid, vom Zwang, Euch über Kleidung, Musik, Schmuck, TechStuff zu definieren?
Eure Individualität jedenfalls nicht. Vorausgesetzt, sie haben Eure Persönlichkeit noch nicht vollständig ergriffen und in lustig glitzernde BonBonPapierchen gewickelt.
Eure wahren Wünsche werden sie Euch sowieso niemals verkaufen können. Nicht einmal mit Pron's der allerersten...Aua,Aua.
Das lustige ist nämlich, durch das aufspringen auf den 'Ich bin ganz anders als die anderen'-Zug macht Ihr Euch selbstverschuldet zum EinheitsBrei. Hip Hip Hurray.
Ach. Wisst Ihr doch eh. Ihr seid doch nicht unmündig. Ihr Kennt das alles.

Samstag, 30. April 2011

Kulturkritik - Recht oder Billig?

Kulturkritik höre ich oft aus den Mündern und Federn von Linken.
Sich über einzelne Aspekte der Kultur zu empören ist einfach, auch für den unterstützungswürdigen Geist, und das die meisten Themen gegen die sich Linke -in Abgrenzung zu Rechten- positionieren kulturelle sind, verführt im Alltag leicht zu polemischem Gemäkel an kulturellen Gepflogenheiten. Von der Geldwirtschaft über Wachstumswirtschaft hin zu Medienkritik, Sitten, Gesellschaft, Religion, Administration, Regierung, Polizei wird alles angeprangert, was irgendwie dem eigenen Lebensentwurf zu wiedersprechen scheint.
Ob das Ideal dieses Lebensentwurfes überhaupt trägt ist damit in die Verantwortung derer gelegt, die den Rahmen für das eigene Sein gestalten. Ein kluger Mann hat uns einst die Erkenntniss der Lebensumstände in dem Satz: "Das Sein prägt das Bewusstsein" zusammengefasst, und daran will ich hier nicht rütteln, ich will die Frage der Kultur viel allgemeiner stellen. wikipedia-Kultur zeigt mal eben auf, welcher Begriff hier gemeint ist.
Die Vorstellung ohne Kultur ganz natürlich leben zu können ist in seiner pauschalen Idiotie der Aufruf wieder in das Stadium der prähistorischen Lebensweise zurückzukehren, weder die Bearbeitung des Ackers noch die Anerkennung des Lebensrechtes der Angehörigen eines fremden Clans wäre dann einzufordern. Keine Kunst, keine bearbeitete Speise wären mehr Bestandteil des Zusammenlebens, nun gut, den meisten die sich aufschwingen geht es wohl nicht um den totalen Bruch, sondern eher um eine menschenwürdigere Auswahl.
Exotische Kunst und Speisen zu hipen und sich die eigenen Lebensräume so weltbürgerlich zu gestalten, das die europäisch-unterdrückende Tradition fern gewähnt werden kann ist oft Ausdruck falsch ausgeübter Kritik an der eigenen Herkunft.
Was aber ist es  anderes als moderne Kolonialisierung sich die Erzeugnisse fremder Kulturen anzueignen, ohne zu fragen welche Bedeutung damit verknüpft ist? Die Bevölkerungeines Landes in dem Diktatur/Bürgerkrieg herrscht dadurch zu unterstützen dass man Andenken beim Handwerker im Dorf kauft und die Rechte an einem Bild von seinen besonders malerisch wirkenden minderjährigen Kindern gleich miterwirbt ist heikel genug, dieselben Waren beim Strassenhändler mit einem künstlich pittoresken Stand in der nähe des Flughafens sind jedoch himmelschreiende Ignoranz. Dem Fass den Boden aus schlägt die Tatsache dass die Produkte nicht selten längst nicht mehr im angeblichen Ursprungsland gefertigt werden, sondern in Fabriken in Fern-Ost.
Ich schweife ab. Sorry.
Kulturkritik ist immer gefällig, schwieriger jedoch: sich mit den eigenen Anteilen an derselben auseinanderzusetzen. Oft mag dahinter ein nicht allzu ausgeprägtes Kohärenzgefühl stehen, im seltensten Fall ein Gegenentwurf. Die bourgoise, ignorante Lebensweise abzulehnen darf nicht dazu führen, selbst ignorant fremde Kulturen zu Lieferanten paradiesischer Ideale zu verklären, sonst ist der Anspruch auf Kritik verwirkt. Rousseau ist hier keine Hilfe. Überhaupt war die Romantik hier  eher Kontraproduktiv: Wenn wir die vegetativen Prozesse -auf die wir angewiesen sind- übersteigen wollen, dann brauchen wir Kultur.
Es lässt sich natürlich trefflich streiten darüber welche... :)

Freitag, 10. Dezember 2010

romantische Liebe- gibt es das?

Unsere, die westlich-landläufige Vorstellung von Liebe, was sie ausmacht und wie sie sich zu erkennen gibt ist eine sehr romantische Anschauung.
Die Liebe soll unser Selbst erkennen und dabei unsere Selbsteinschätzung bestätigen, sie soll an uns glauben, auch wenn wir scheitern, sogar wenn wir nicht mehr an uns glauben, die Liebe soll es weiterhin. Sie soll die Erlösung bieten aus dem tristen Dasein, uns des Zweifels an uns selbst und an der Welt entheben, wir erhoffen die Förderung des Guten in uns, des Wahren und des Schönen. Die Wirklichkeit soll sie uns Schönen,was auf uns wirkt wollen wir mit ihrer Hilfe in etwas Besseres wandeln.
Dieses Ideal mag verführerisch sein, es verkörpert durchaus eine Idee, die für viele westlich geprägte Menschen erstrebenswert erscheint,es ist dies die Denkweise des
kultivierten separierten Individuums,erzeugt durch den Impuls des Wunsches nach Nähe, nach sozialer Teilhabe.
Wir beanspruchen von der Liebe unbedingt zu sein und notwendig zu sein. Sie soll befreien und behüten, uns heilen und stärken.


In diesem Sinne ist sie Kultur: 
empfangen aus der Persischen Idee des Dualismus, 
gewandelt durch den griechischen Geist der reinen Idee, 
verklärt von der christlichen Vorstellung der Hingabe, 
der selbstlosen Überantwortung an etwas Anderes, 
geboren aus dem reflexiven Gefühl ungenügend zu sein 
und aus der Hoffnung sich erheben zu können aus den Niederungen des Allgemeinen.


Erfüllt sie diesen Anspruch nicht, so wird sie verworfen, gilt als nicht existent, ungeachtet der Tatsache, daß kaum je in der Realität diese Anforderung erfüllt wurde, vielleicht utopisch ist.
Das Erstreben der totalen, der unbestimmten Liebe, die nicht hadert, stetig ist, unbestimmt und unbeirrt, uneingeschränkt und allumfassend ist, ist dem Fortfall des Clans geschuldet. Der äußere Rahmen ist in der Kulturgesellschaft verloren, doch die innere Struktur ist mensch-immanent weiterhin ausgerichtet auf die Einbindung in ein Netz von zwischenmenschlicher Partnerschaft, die uns ursprünglich getragen hat, uns Mensch werden ließ. Initiiert durch Mangelgefühle, aus der Position der Einsamkeit, aus welcher wir uns aufraffen zu einem Ruf nach Rettung vor der Verlorenheit funktionalisieren wir das wesentliche Bedürfnis nach dem Anderen in eine Form, die uns Einbindung garantieren soll, ohne uns zu unüberlegter Menschlichkeit zu nötigen.
Wenn die Regeln und Rituale verletzt wurden, wenn wir die Begrenztheit erkennen,schon wenn wir den Zweifel spüren, den des anderen oder den eigenen glauben wir uns berechtigt, den Pakt zu kündigen, mahnend Betrug zu verkünden.
In dieser Zweckgebundenheit jedoch, die der Liebe eine Aufgabe zuteilt, entblößen wir ihre Unzulänglichkeit. Sie kann der Rolle aus eben dem Grund nicht gerecht werden, weil sie die Relative ist, die nicht Methodische, die Verhältnismäßige,die rein den eigenen Umständen Gehorchende.
Einer Funktion folgen kann nur der Verstand. Die Logik kann vernünftig sein. Sie kann rationell vorgehen, effizient den größten Nutzen erzielen.
Die Liebe aber wankt, kaum ward sie, taucht sie fort, wird sie negiert und fortgeschoben, drängt sie sich in den Vordergrund, wird sie gebraucht, so versteckt sie sich, wird sie benannt, so schwindet sie. 
Wir glauben so gern wir könnten sie fassen und behalten wenn wir sie nur pflegen, doch ist sie das Blatt im Wind, sie gehorcht dem eigenen Prinzip der Wünsche und des Überdrüssig -werdens dessen, was sie nicht Neu inspiriert, was sie nicht staunen lässt. Die Liebe ist nicht treu, sie ist nicht loyal, sie ist nicht die Freundschaft, und auch der Glaube an ihre messianischen Eigenschaften enthebt uns nicht der Realität ihres unsteten Selbst. 
ICH HABE NIE AUFGEHÖRT. Doch kann das nichts bedeuten.